Die diesjährige Regensaison in Namibia war ausserordentlich ergiebig. Es begann damit, dass bereits in der kleinen Regenzeit im November reichlich Regen fiel. Der Dezember war danach mehrheitlich trocken und im Januar begann dann die richtige Regenzeit. In Windhoek hat es praktisch täglich geregnet und viele der Trockenflüsse führten Wasser. Der Swakop erreichte sogar zum ersten Mal seit 2000 wieder den Ozean, wenn auch nur für einen Tag. Auch in der Wüste Namib fiel Regen. Eindrücklich wie grün sich die Gegend bei unserem Besuch dort vor zwei Wochen präsentiert.
Probleme bereitet der Regen jedoch im Norden. Grosse Teile des Nordwestens standen während Wochen unter Wasser weil das Cuvelai-System (wer mehr darüber wissen will siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Oshana-System) der Kombination von ausgiebigen lokalen Regenfällen und Zuflüssen aus Angola nicht gewachsen war. Überschwemmungen in diesem Gebiet sind zwar keine Seltenheit, aber in den beiden letzten Jahren waren sie ausserordentlich heftig. In den Zeitungen wurde von gegen 100 Flutopfern berichtet, tausende mussten evakuiert werden, grosse Teile der Ernte sind verloren gegangen und viele Schulen mussten während mehreren Wochen geschlossen werden. Mittlerweile hat sich die Lage in diesem Gebiet etwas normalisiert, allerdings wird eine schlimme Malaria-Saison erwartet, da das Wasser in den Tümpeln und Seen lange ideale Brutbedingungen für Mücken bilden wird und in diesem Jahr die Spray-Aktionen mit DDT (die in den vergangenen Jahren zusammen mit der Promotion von Moskitonetzen zu einem bedeutendem Rückgang der Krankheit führten) verspätet und unvollständig durchgeführt wurden.
Im Nordosten begann die Flut etwas später und ist momentan noch immer nahe dem Höchststand. Der Sambesi ist auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren und in der Caprivi und Kavango-Region stehen etliche Dörfer unter Wasser. Eindrückliche Satelitenfotos gibt es unter http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-41206.html zu finden.
Erstaunlich ist für mich, wie wenig man davon hier in Windhoek mitbekommt. Zwar berichten die Zeitungen regelmässig über die Überschwemmungen, doch sie sind insgesamt recht unaufgeregt. Auch die Regierung scheint einigermassen gut vorbereitet zu sein und bislang konnte z.B. der Ausbruch von Cholera verhindert werden. Unser Spital in Oshikuku hatte zeitweise einen Militär-Helikopter zur Verfügung um abgeschnittene Kliniken versorgen zu können.